"Ich bin viel selbständiger geworden – und für Heimweh hatte ich gar keine Zeit!"

Henrike war in diesem College in den unterschiedlichsten Arbeitsbereichen beschäftigt. Hier arbeiten und lernen Jugendliche mit Lernschwierigkeiten. In den Auszügen aus ihrem Bericht über das fünfwöchige Praktikum spiegeln sich ihre Eindrücke wieder:

"... heute hatte ich ,papermaking’ und habe Papier für ein Buch hergestellt... gestern haben wir nicht mit Treckern, sondern mit den Kaltblutpferden Kate und Violet den Acker gepflügt... ich lernte mit den geistigen Behinderungen der Schüler umzugehen... oft erstaunte mich ihr positives Verhalten, vor allem die Überraschungen beim Abschied... nicht nur sprachlich hat es mich weitergebracht, sondern ich bin auch viel selbstständiger geworden... diese Erfahrungen wünsche ich jedem."


Eine von über 700, die ihren Horizont bereits erweitert haben: Henrike Langsenkamp aus Belm war im englischen Ruskin Mill in einer sozialen Einrichtung für Jugendliche tätig.
Henrike hat ein weiteres HORIZON-Praktikum in Irland gemacht, sie studiert jetzt Sport und Englisch.

Einige Eindrücke der über 700 Menschen, die ihren Horizont bereits erweitert haben.

20 von über 700, die ihren Horizont bereits erweitert haben:

Die 17-jährige Yvonne (17) aus Bühl arbeitete in der Küche eines Bio-Hofs ("Ferien auf dem Bauernhof") in der Nordprovence: "Ich glaube, so ein Praktikum ist gut, um sich selber zu finden. Dadurch, dass man viel erlebt hat, fühlt man sich auch viel erwachsener und reifer. Ich bin viel verantwortungsbewusster geworden."

Der Osnabrücker Benjamin (17) absolvierte sein vierwöchiges Praktikum in einem Gästehaus in der Loire-Region: "Meine Sprachkenntnisse haben sich auf jeden Fall verbessert. Zumindest, was das Mündliche angeht. Weil ich dort auch eigenverantwortlich Aufgaben erfüllen musste, bin ich viel selbstständiger und selbstsicherer geworden."

Eva-Marie (18), Hamburg, war vier Wochen lang bei einem Bio-Bäcker in Grenoble (Frankreich) beschäftigt: "Ich habe unendlich viele aufregende, tolle Dinge erlebt. Trotz des Heimwehs habe ich die Zeit gut und alleine überstanden und bin dadurch viel selbstsicherer geworden. Die ganze Rückfahrt mit dem Umstieg in Lyon habe ich allein geschafft. Ich finde, dass ich mich im Französischen deutlich verbessert habe."

Philine (22) aus München hat in einer Camphill-Institution in Edinburgh gearbeitet:
"Vor meinem Aufenthalt hätte ich wirklich nicht gedacht, dass mir eine solche Arbeit so viel Spaß machen würde. Es war toll zu sehen, dass nicht nur wir den Behinderten etwas beibringen können, sondern sie uns auch so viel geben! Mein Praktikum war wirklich eine beeindruckende und prägende Erfahrung – ich kann es selber gar nicht glauben."

Benedict (16), Osnabrück, war zwei Monate lang als Praktikant in einer Kunstschreinerei in Südfrankreich tätig: "Insgesamt hat dieser Aufenthalt sich sehr gelohnt, denn ich habe sprachtechnisch meine Erwartungen übertroffen und habe erlebt, wie es ist, zwei Monate in einem fremden Land mit unbekannter Umgebung zu sein – fast völlig auf sich allein gestellt."

Judith (17), Offenburg, absolvierte ein Praktikum beim Theaterfestival in Avignon: "Die Offenheit und Herzlichkeit der Theaterleute sowie meiner Gastfamilie haben es mir leicht gemacht, meine Französisch-Kenntnisse anzuwenden. Und ich bin nun in der Lage, einem Gespräch auf Französisch zu folgen und auf Fragen zu antworten."

Anna-Lena (17) aus Baden-Baden arbeitete in einem Kindergarten in Brighton: "Im Kindergarten hatte ich Probleme, die Kinder zu verstehen, was mich zunächst unsicher machte. Die regelmäßigen Anrufe und Ratschläge von Frau Ould-Ali haben mir dann sehr geholfen. Nach kurzer Zeit habe ich mich dann sowohl im Kindergarten als auch privat gut zurechtgefunden. Ich habe durch den Aufenthalt mehr Selbstsicherheit und Selbstständigkeit gewonnen und bin glücklich, dass alles so gut gelaufen ist."

Der 16-jährige Bochumer Nils absolvierte in England ein Sozialpraktikum: "Insgesamt war es eine spannende und schöne Zeit. Ich kann mich jetzt sehr gut auf Englisch unterhalten und habe wertvolle Erfahrungen im Umgang mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen gesammelt. Außerdem habe ich sehr viel darüber gelernt, wie es ist, hauptsächlich von bio-organisch hergestellten Lebensmitteln zu leben."

My Next Step in Life

„Man kann einen Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken“ – dieser Spruch ist schon ein paar hundert Jahre alt, aber der Sinn passt heute wohl mehr denn je: Mit dem Seminar „My next Step in Life“ wollte Horizon International genau das den jungen Teilnehmern ermöglichen: Gucken, was geht im Leben, sich selbst und seine Möglichkeiten entdecken. Zehn Schüler und Studenten zwischen 17 und 20 diskutierten, malten und dachten vier Tage in England über ihren nächsten Schritt im Leben nach – unterstützt von der  Dozentin Belinda Heys, die sonst für das britische Bildungs- und Sportministerium recherchiert. Eine besondere Schwierigkeit: Der komplette Orientierungskurs wurde in englischer Sprache gehalten: „Dadurch bekamen die Teilnehmer auch noch mal eine andere Distanz zu ihrem Alltag“, sagt Projektleiterin Gabriele Ould-Ali, die den Kurs im Bildungshaus Emerson College organisiert hat.

Tobias, 17, Abiturient aus Karlsruhe:
„Es gibt 1000 Möglichkeiten, was man später machen kann. Was soll ich denn da wählen? Ich habe bei „My next Step in Life“ mitgemacht um ein bisschen Klarheit zu kriegen: Zwar weiß ich noch nicht genau, was ich im Zivildienst machen will, aber ins Ausland soll es schon gehen. Mein Navi ist neu eingestellt!“

Lisa, 20, Studentin aus Erlangen: „Dieser Kurs beruhigt einen und nimmt einem den Druck, immer den perfekten Plan haben zu müssen. Auch wenn ich jetzt nach dem Abi schon studiere, diese Entscheidung muss nicht für den Rest meines Lebens halten! Ich habe so viele Möglichkeiten mich flexibel weiterzuentwickeln. Das ist mir jetzt noch mal klar geworden.“

Claudia, 17, Abiturientin aus Darmstadt: „My next Step in Life“ war einfach nur cool, eine echt schöne Landschaft und diese tolle Haus! Ich weiß schon, dass ich später als Ärztin arbeiten möchte, aber ich denke, ich werde nach dem Abi ein soziales Jahr machen. Vielleicht auch hier, dann lerne ich noch besser Englisch!“

Denise, 19, Abiturientin aus Baden-Würtemberg:
„Ich persönlich hatte noch keine konkrete Vorstellung von meinen nächsten Schritten nach der Schule - Für mich stand nur fest, dass ich unbedingt studieren will. Ich hatte viele Ängste und Sorgen. Der Durchschnitt meiner Abitursendnote schien für mich das Zünglein an der Wage des Erfolgs oder Misserfolges. Was, wenn ich nicht „gut genug“ für den in der Krise steckenden Arbeitsmarkt, einschließlich Universitäten bin? Die Frage mag sich lächerlich anhören, aber sie entstand durch Unwissenheit und Unsicherheit über den abstrakten Begriff der Zukunft. Das Seminar half mir, das – wie unsere Dozentin Belinda Heys es nannte – „Sicherheitsnetz“ zu spannen und wieder mehr Boden unter den Füßen zu bekommen. Ich war sehr froh, dass ich nicht die einzige mit leichter „Zukunftsphobie“ war und ein Teil unserer Truppe meine Bedenken nur zu gut von sich selbst kannte. Sich auszutauschen und seine Bedenken in Worte zu formulieren, half die Ursache des eigenen „Schwankens“ zu ergründen und aus anderen Perspektiven objektiver sehen zu können. Es ist nun ein Thema mit dem ich mich jetzt – im Vergleich zu der Situation vor dem Seminar – lieber und mit mehr Leichtigkeit beschäftige.

Anna (18) aus Trier hat in Gloucestershire in einer Sozialeinrichtung mit Handwerkszentrum gearbeitet: "Ich könnte noch ewig von meinen vielen Erlebnissen in England berichten. Allgemein kann ich jedem raten, ein solches Praktikum zu machen, da man wahnsinnig tolle Erfahrungen macht, die man ein Leben lang nicht vergisst."

Johanna (17), Hamburg, war vier Wochen in einem Tagungshaus in Wales beschäftigt:
"Ich habe mich sicher sehr verändert, da ich neue schöne Erfahrungen gesammelt habe – durch die Menschen dort und dadurch, dass ich alleine verreist bin und eine neue Sicht auf viele Dinge bekommen habe."

Franziska (20) aus Marburg machte ein Sozial-Praktikum in einer Camphill-nahen Einrichtung in England: "Besonders beeindruckt hat mich, wie die Hauseltern mit ihren Pflegekindern umgehen. Sie geben einen Teil ihres Privatlebens und ihrer Intimsphäre auf, um den Jugendlichen zu helfen. Ich bin froh, dass ich so etwas miterleben konnte.
Ein Auslandspraktikum ist einfach durch und durch lohnenswert, bringt weiter und macht sehr viel Spaß!"

Laura (17), Dinslaken, arbeitete in einem Bioladen in Avignon: "Ich möchte mich herzlich bei Ihnen, Frau Ould-Ali, bedanken, dass Sie immer engagiert für mich da waren.
Es wäre wunderbar, wenn so ein Auslandspraktikum als normales Pflichtpraktikum in der Schule eingeführt würde."

Jost (16), Kiel, war Praktikant in einem Gästehaus in Südfrankreich: "Ich würde jeder Praktikantin und jedem Praktikanten empfehlen, recht offen zu sein, aufmerksam und nicht zu grimmig, denn alles, was ihr gebt und vermittelt, wird euch – wie im Gästehaus bei Olivier und Hélène – dreifach erwidert."

Sarah (16), Oberhausen, arbeitete als Praktikantin in einem Gästehaus in der Provence:
"In die häuslichen Arbeiten im Gästehaus habe ich mich schnell einarbeiten können, sie sind mir nicht schwer gefallen und haben teilweise sogar Spaß gemacht. Insgesamt habe ich viele wichtige Aufgaben im Haushalt kennen gelernt und selbstständig durchführen können. Ich habe sowohl viele französische Rezepte wie auch die französische Art zu leben und zu essen kennen gelernt. Schwer gefallen ist es mir jedoch, in den französischen Nacht-Tag-Rhythmus zu kommen: Abends sehr spät ins Bett zu gehen und morgens oft wieder früh aufstehen zu müssen, fiel mir zwischendurch sehr schwer. Auch die Abgeschiedenheit und die absolute Stille waren anfangs für mich schwer auszuhalten. Nach und nach entwickelte ich einen Sinn für die Schönheit der Landschaft. Meine Gastfamilie war sehr nett – zum Schluss fiel mir die Heimreise richtig schwer."

Der 17-jährige Nils aus Witten im Ruhrgebiet, lebte in einer Gastfamilie: „ Es war genau der richtige Praktikumsplatz für mich. Der technische Schwerpunkt und der Umgang mit den Kunden war super. Ich habe richtig viel Französische gelernt.“

Vincent (16), Berlin, arbeitete in einem Gästehaus im Anjou (Frankreich): "Mir ging es oft so, dass ich die Vokabeln, die ich tagsüber gehört habe, abends wieder vergessen hatte. Besser wäre es gewesen, immer einen Zettel und Stift dabei zu haben, um die Wörter gleich aufzuschreiben. Dann kann man sie sich spätestens abends übersetzen. Anderen Praktikanten würde ich empfehlen, sich noch einmal gründlich mit den Vokabeln und Zeiten zu beschäftigen – dies sollte vor der Abreise geschehen. Ganz wichtig: Beim Praktikum in Frankreich auf gar keinen Fall mit Englisch anfangen, das stört nur und bremst das ,Reinkommen’ in die Sprache."

Nina (17) aus Oldenburg war in einem Kindergarten in Gloucestershire tätig: "Da ich noch nie in England war, habe ich mich mit Reiseführer und guter Landkarte über das Land informiert. Des Weiteren habe ich meine schulischen Englischkenntnisse aufgebessert, vor allem in Hinblick auf die Reise, bei der ich zum ersten Mal ganz auf mich alleine gestellt war. Empfehlung: Mir war hilfreich, den Reiseablauf im Voraus gedanklich durchzugehen und fremde Vokabeln nachzuschlagen. Ich habe den Tag über oft Fragen gestellt, was mir sprachlich sehr geholfen hat. Abends habe ich die neu gelernten Vokabeln aufgeschrieben und viele Begriffe im Wörterbuch nachgeschlagen. Man muss von sich aus viel sprechen, auch wenn man sich manchmal überwinden muss."

Aron (16) aus Saarbrücken arbeitete in einem Schulgarten in Südengland: "Vor der Reise hatte ich einfach Angst, dass ich nichts verstehe, was zum Teil auch so war. Aber die Leute haben einfach ihre Fragen so oft gestellt, bis ich sie verstanden habe. Zukünftigen Praktikantinnen und Praktikanten rate ich, vorher mehr Alltagsenglisch zu lernen. Habt keine Hemmungen, Englisch zu sprechen! Plant rechtzeitig und sorgfältig eure Reise, achtet insbesondere auf genügend Kleingeld und Zeit zwischen der Nutzung der verschiedenen Verkehrsmittel. Außerdem sollte man sich schon vorher Gedanken darüber machen, wie man im fremden Land beispielsweise eine Busfahrkarte kauft. Bewahrt immer die Ruhe, dann klappt alles. Stellt euch auf andere Lebensweisen ein!"